Ich halte die Debatte offen gegen geschlossen für falsch gestellt.
Offen oder geschlossen ist keine Lagerfrage, sondern eine Auswahlfrage. Was der Mozilla Report dazu zeigt und warum die Lizenzfrage von der eigenen Rolle im Betrieb abhängt.
Das ist keine Lagerfrage, das ist eine Auswahlfrage. Richtiges Werkzeug für die richtige Aufgabe.
Der Mozilla Report liefert dazu die Zahl, die in den Zusammenfassungen meist fehlt:
- 50 Prozent der Teams betreiben offene und geschlossene Modelle parallel
- 29 Prozent ausschließlich offen
- 21 Prozent ausschließlich geschlossen
Die Hälfte hat die Grundsatzfrage also nicht beantwortet, sondern aufgelöst. So arbeite ich auch. Erst prüfen, ob es überhaupt ein Modell braucht. Dann das kleinste, das die Aufgabe löst. Offen oder geschlossen entscheidet sich danach an Datenlage, Latenz, Betriebsmodell und Kosten, nicht an einer Haltung.
Schwierig wird es eine Ebene tiefer. Der Leistungsabstand liegt laut Mozilla bei rund 3 Prozent, aber nur 53 Prozent der Teams mit offenen Modellen kommen in Produktion, gegenüber 63 Prozent bei geschlossenen. Über alle neun Schichten der Stack Map hinweg sind dieselben zwei Kriterien am schwächsten bewertet: Standardisierung und Enterprise Readiness.
Wie konkret das wird, zeigt die Lizenzfrage. GLM 5.2 und DeepSeek V4 stehen unter MIT, Kimi K3 nicht. Nur zieht die Kimi K3 License die Grenze nicht dort, wo die meisten sie vermuten. Für rein internen Einsatz, der nie an Dritte durchgereicht wird, sind die Klauseln schlafend. Sie greifen erst, wenn man selbst zum Anbieter wird. Die Frage lautet also nicht “dürfen wir dieses Modell einsetzen”, sondern “in welcher Rolle betreiben wir es”. Das beantwortet kein Modellvergleich, sondern das eigene Architekturbild.
Souveränität lädt man nicht herunter, man betreibt sie. Die Gewichte sind der billigste Teil.
Transparenzhinweis: Mozilla ist selbst Unterzeichner des offenen Briefs und verfolgt mit dem Report erklärtermaßen eine Agenda gegen Marktkonzentration. Die Unterzeichner verkaufen überwiegend Infrastruktur, Hosting und Anwendungen, nicht geschlossene Frontier Modelle, profitieren also von Verbreitung. Amazon und Anthropic haben nicht unterzeichnet, Anthropic hat am 27. Juli eine eigene Position veröffentlicht, in der ein Verbot offener Gewichte explizit abgelehnt wird. Ein Teil der Benchmarkwerte ist herstellerberichtet.
Dieser Post entstand mit AI-Unterstützung auf Basis eigener Erfahrung.